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Es gibt so viele gute Menschen – Part 2

Life, People

Letztens habe ich über eine andere Sichtweise auf die Produktion von Textilien geschrieben und dabei fielen mir noch weitere Gutmenschenbeispiele ein. Thema heute: unsere Umwelt

Ich gebe zu, ich bin ein Umweltschwein, äh… -verpester (ich will die süßen, unschuldigen Schweinchen nicht in den Dreck ziehen). Ich heize zwar nicht wie wild, arbeite die meiste Zeit von zu Hause aus und muss daher nicht pendeln, lasse das Wasser nicht permanent laufen beim Zähneputzen, habe stromsparende Geräte, esse seltener Fleisch, dafür sehr Hochwertiges usw.
Aber: ich fliege viel, fahre ein Auto, habe fließend Wasser und Strom, einen Kühlschrank, Waschmaschine und lebe in einer relativ großen Wohnung… Hm, bin ich damit die Einzige? Mitnichten!

Klärt mich auf: haben wir Menschen irgendeine umweltbezogene Funktion wie eine Biene? Vielleicht haben wir ja eine von der ich nichts weiß?

Bis dahin sind wir eben Umweltverbraucher, die den Boden auslaugen, Wälder abholzen, Wasser verbrauchen, CO2 ausstoßen… die Liste ist lang. Jeder Mensch verbraucht.

Schlimmer wird es, wenn ich mir unsere “moderne” Zivilisation anschaue, die weit mehr verbraucht als der Weltdurchschnittsverbraucher. Darunter gibt es wieder die Gutmenschen. Sie fliegen zwar selbst, fahren Auto, kaufen im Supermarkt ein, haben fließend Wasser und Strom, bezeichnen sich aber als Umweltschützer, obwohl sie mehr verbrauchen als der durchschnittliche Weltbürger. Wie passt das also zusammen, wenn Umweltverbraucher auch Umweltschützer sind? Was passiert, wenn alle Menschen dieser Erde so viel verbrauchen wie der moderne Umweltschützer? Wie viele Erden bräuchten wir dafür?

Man kann jetzt sagen, dass Kleinvieh auch Mist macht und wenn alle an einem Strang ziehen würden, könnte zumindest die Zerstörung der Umwelt etwas verlangsamt werden. Und ja, es würde definitiv helfen, wenn die größten Verbraucher auch weniger verbrauchen würden.

Aber letztendlich gibt es ein grundsätzliches Dilemma: wenn es allen Menschen so gut gehen würde, wie dem Durchschnittsgutmenschen aus Deutschland oder Österreich, hätten wir noch ein viel größeres Umweltproblem. Können wir auf der anderen Seite einfach zusehen, dass es anderen auf dieser Welt weit schlechter geht? Darf man ihnen diesen Wohlstand verwehren?

Der Umweltschützer aus unseren Gefilden lebt gut, weil der allgemeine Wohlstand des Landes auf die Agrar-, Maschinen-, Automobil- und Stahlindustrie zurückgeht und macht jetzt noch etwas “Charity” für die Umwelt. Der Blick geht zwar in Richtung arme Länder, aber die sollen gefälligst die Flüsse nicht verschmutzen und die Wälder nicht abholzen!

Im Leben gibt es einfache Antworten, aber diese reichen meist nur bis zur eigenen Nasenspitze. Wie im ersten Beitrag, ist dies wieder ein sehr komplexes Thema, das eine ausgewogene Balance erfordert und kein Bullshitbingo.

© www.mangobluete.com

Comments 4

  1. liebe anna,
    du sprichst mir aus der seele. überall soll mir geld abgeknöpft werden, wegen meines ökologischen fussabdruckes. bei dhl, bei amazon, rewe… gestern las ich in einem blog, dass man es begrüßen würde, wenn die plastiktüten 1 euro kosten würden, damit die letzten unbelehrbaren (icke) auch einen jutesack nähmen. *pah* das wird nicht passieren! in meinen lieblingsläden gibt es seit 25 jahren tragetaschen aus papier ;-)

    ich gehe viel zu fuss, ich trenne müll, sammel papier, gehe nicht zu primark oder michael kors, ich kaufe milch für einen euro in der milchtankstelle und nicht für40 cent bei lidl und muss mich nicht rechtfertigen, wenn ich in ein flugzeug steige . ich will ja auch kein gutmensch sein.

    liebe grüße
    bärbel

  2. Hallo Anna! Ich habe deinen Blog schon sehr lange nicht mehr gelesen und bin eben auf diesen Beitrag gestoßen. Wie definierst du einen “Gutmenschen”? Jemand der “gutes tut” und somit versucht seine Mitmenschen zu bekehren? Dein Beitrag hört sich für mich etwas danach an, das man nie alles zum Besten (wahrscheinlich auch eine Sache der Definition) wenden kann, es somit auch gleich ganz bleiben lassen kann. Ich kanns nachvollziehen, dass man nicht möchte, dass Tag und Nacht auf einen eingeredet wird – Stichwort vegane Ernährung etc. wie im ersten Beitrag erwähnt), jedoch kann ich auch verstehen dass Menschen, die von einer Sache überzeugt sind, ihre Überzeugung teilen und weitergeben möchten. Ich persönlich möchte einen Mittelweg für mich finden gutes zu tun und ein erfülltes Leben zu führen, wenn man so will. Das bedeutet für mich nicht, dass ich mich selbst in jeder freien Sekunde aufopfern muss, aber eben auch nicht, nichts zu tun, denn wo wären wir heute wenn sich nie jemand für seine Überzeugungen eingesetzt hätte? Es gibt natürlich in allen Bereichen des Lebens Sonnen und Schattenseiten, gutes kann genauso gut böses bringen, da Stimme ich dir zu. Ich denke mir aber, dass es nicht nur schwarz und weiß geben muss :)

    Zum Abschluss noch etwas ganz anderes: Ich finds schön, dass du dich auf deinem Blog jetzt offen zeigst Alles Liebe!

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